Segelclub Jülich e.V.

erstellt am: 31.05.2011 von: Pressewart

Es waren rauhe Tage auf dem Rursee – für jemanden, der gleichzeitig Vorbereiter, Organisator, Beichtvater und Teilnehmer war, sowieso.

Weiter unten beginnt ein ausführlicher Bericht, hier schon mal die Highlights: Es fanden sieben Wettfahrten statt, der Wind war anspruchsvoll, das Ambiente sportlich und großzügig.

Internationaler Deutsche Meister 2011 in der Kielzugvogelklasse sind Thomas Schiffer und Heinz Lenz (GER 40), gefolgt von Alexander Antrecht und Alexander Gensch (GER 86) sowie Hans-Günter Besche und Alexander Kost (GER 88).

Und nun der Reihe nach: 2009 Jahreshauptversammlung der Klassenvereinigung in Würzburg: der Vorsitzende fragte beim Flottenkapitän Rursee an, ob denn nicht der Rursee…

Der Flottenkapitän fragte bei zwei Clubs (Aachener Bootsclub mit Kran, Steg und Regattaerfahrung, Segelclub Jülich mit viel Platz und auch etwas Regattaerfahrung) an, ob sie nicht gemeinsam…
Dazu muss man wissen: beim ABC ist er ständiger Gast, beim SCJ Mitglied. Also war Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick gefragt, das allerdings hatte ihm in der Vergangenheit noch nie jemand bescheinigt.

Beide Clubs dachten kurz nach und sagten dann Ja. Also 2010 Bewerbung beim und Schriftwechsel mit dem DSV, Antrag auf Fördermittel beim MFKJKS (das heißt tatsächlich so, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport), später dann Ablehnung des Antrages, Suche in der Aachener Wirtschaft nach Sponsoren, aber kaum eine Chance gegen Alemannia und CHIO, in den Clubs stieg dann die Nervosität, aber Dank der Raiffeisenbank Simmerath und anderer Unternehmen war das Ganze dann doch gesichert.

Tja, und dann wollte man was bieten. Dem Veranstalterteam fiel ein: Zur Eröffnung am Sonntag Livemusik mit Lagerfeuer, gefiel den Seglern offensichtlich gut, das Trio hat das Festzelt dermaßen gerockt, dass selbst hartgesottene Tanzmuffel am Ende beim Zappeln erwischt wurden. Montag hatten wir Kleinkunst mit Akrobatik und einem erregenden Männerstrip, Dienstag Tombola, welche Dank der Sponsoren alles zwischen „Wertvoll“ und „Jux“ bot, Mittwoch Siegerehrung mit Rosen für die Damen, kleinen Preisen für die weiteste / nächste Anreise, für den ältesten / die jüngste Teilnehmer(in), für die schnellste, schönste und einzige Steuerfrau, für den Präsidenten des ABC, und abends eine würdige Meisterfeier.

Soweit der Chronist sich erinnern kann, hatten wir jeden Abend ein leckeres Essen, mindestens ein Fass Freibier und die Thailändische Küche am Mittwoch war auch nicht schlecht. Es gab ein paar Pannen, die aber kaum einer bemerkt hat, denn die Zusammenarbeit zwischen Technischer Hochschule, ABC und SCJ hat prima geklappt.

Besonders erwähnen möchten wir die DLRG, die bei einigen Kenterungen stets schnell zur Stelle war, und die Rurseeschifffahrt. Die Schiffe der weißen Flotte stoppten sogar auf, wenn das Regattafeld in der Nähe war, so was hat der Wannsee noch nicht gesehen. Ferner das Schiedsrichter- und Juryteam, die bei einigen Protesten aktiv werden mussten.

Die Clubs hatten sich auf die Aufteilung der anfallenden Arbeiten verständigt, also gab es Zeltplatzteam, Shuttleservice, Zapf- und Kellnerteams, Kranteams (ein Boot durchschnittlich 10 Minuten bei diesem Wasserstand !!!), Regattabüroteams, und viele andere, die sich Urlaub genommen hatten um uns unsere IDM ausrichten zu können. Wahnsinn und ganz, ganz herzlichen Dank.

Die Vermessung musste aufgrund des beschränkten Platzes etwas bescheiden ausfallen, führte aber auch zu der einen oder anderen Erkenntnis, dass z.B. nicht jeder Bindfaden eine Schleppleine ist.

Alle Startversuche klappten ganz gut, Black Flagg war nicht notwendig. Einmal Gesamtrückruf und eine Handvoll Einzelrückrufe, das war’s. Am Sonntag konnten 2 Wettfahrten durchgezogen werden, beide Male siegte GER 86 mit Alex Antrecht / Alex Gensch bei bis zu 5 Windstärken aus SW und einigen Kenterungen anderer Boote. Die Chance für den Spaßvogel bestand darin, beide Läufe zu beenden, denn insgesamt 12 Boote verzichteten in der 2. Tageswettfahrt auf den Start. Abends erfolgten Reparaturen an geschredderten Segeln und Travellern.

Montags hatte es auf 3, später 3-4 aus W abgeflaut. Uli Stein versuchte nach 2 gelungenen Wettfahrten noch eine dritte, die er allerdings später wieder abbrechen musste. Fazit am Montagabend: Wir hatten 4 Wettfahrten, der Donnerstag als Reservetag konnte schon mal gecancelt werden. Zwischenstand: Erster GER 40 mit Thomas Schiffer und Heinz Lenz (11 Punkte) vor GER 86 (13 Punkte).

Der Dienstag wurde bei genialen Verhältnissen zum Großkampftag mit 3 Läufen bei ständig steigender Windstärke (Anfangs 3, nachmittags 5, aus W). Vorne beherrschte GER 40 souverän das Feld und ließ seinen Konkurrenten keine Chance. Verdienter Meister ohne Tagessieg ! Gesamteindruck: Steifer, böiger und drehender Wind verlangte den Seglern am allen Tagen der IDM alles ab. Bis auf wenige Ausnahmen war die gesamte obere Hälfte der Rangliste vertreten, so gab es brillante Vorstellungen und strahlende Sieger, zugleich allerdings auch Kenterungen, Materialbruch und kleine Enttäuschungen.

Der Spaßvogel hatte zwischen den Wettfahrten Presseverpflichtungen: Zwischen Wettfahrt eins und zwei hatten wir den WDR an Bord, der dann später auch tatsächlich in der Aachener Lokalzeit 4 Minuten sendete. Nach den Rennen standen wir der Presse (Dürener und Eifeler Nachrichten) zur Verfügung. Dabei ging ganz unter, dass Volker Vau sich eine Verletzung am Handgelenk zugezogen hatte, die zwar weh tat, wohl aber nicht so schlimm war. Er biss die Zähne zusammen und redete nicht groß drüber.

Mittwoch fand dann keine Wettfahrt mehr statt, alle waren sich einig, dass bis 14 Uhr kein segelbarer Wind herrschte. Die Ergebnisse und tolle Bilder findet man auf der Homepage der IDM 2011 (Link nicht mehr aktiv), diese Seite ist auch über unsere SCJ- Seite (IDM Logo klicken) erreichbar.